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Seit Oktober 08 hat der Winterthurer Edel-Chocolatier Vollenweider auch in Zürich eine Boutique - am Stadelhoferplatz gleich neben dem Navyboot im NZZ-Gebäude.Das Geschäft fügt sich sehr diskret in die mondäne Glasfront ein - und die Auslagen sind so elegant, dass man selbst beim Warten auf das Tram lange gar nicht merkt, dass hier Süsses feil geboten wird und es sich nicht um das verlängerte Schaufenster des Navyboot handelt.
Einen einladenden Eingang sucht man vergebens, darauf wird zugunsten des urbanen Designs verzichtet. Steht man zufällig am richtigen Ort vor der Glasfront, schiebt sich eine Scheibe diskret beiseite. So ist es mir geschehen und so habe ich diesen Laden überhaupt erst entdeckt, nachdem ich nun ein Jahr daran vorbei gegangen bin, und mir nichts aufgefallen ist. Diese distanzierte Abgehobenheit dürfte ungewollt dazu
beitragen, dass der Laden meist menschenleer ist.
Im Innern präsentiert sich der vom kürzlich verstorbenen Hannes Wettstein designte Laden als Mischung aus Juwellier und Chanel-Flagship-Store. Dunkler Stein, massives Holz, Glas, gradlinige Formen und Logo-Tapeten bieten die Kulisse für die dezent ausgeleuchteten Schokalden-Exklusivitäten und Pattisserie, deren Namen nicht selten von Stücken des benachbarten Opernhauses inspiriert sind. Alles strahlt handwerkliche Perfektion aus und wirkt gleichzeitig deutlich handgemachter als bei Platzhirsch Sprüngli.
Auch die Macarons - eine französische Spezialität, die der Zürcher in Form von Luxenburgerli als Teil seiner Identität betrachtet, sehen weniger maschinell aus (100g knapp 12.- Franken). Zu degustieren wage ich sie trotz der gewagten Aroma-Kreationen nicht - für einen Zürcher ist der blosse Gedanke daran ketzerisch. Diesbezüglich wird die zwinglianische Enthaltsmkeit schon von Péclard im Schober oder Ladurée an der Kuttelgasse zu hart auf die Probe gestellt.
Ich probiere nebst den Marons Glacés, die der Zürcher seit über100 Jahren bevorzugt bei Honold am Rennweg komissioniert, das Tartelette au Chocolat, ein Referenzprodukt jeder gehobenen Confiserie Frankreichs. Das Törtchen, knapp 6 Franken teuer und keine 100 Gramm schwer, wird sorgfältig in ein Vollenweider Schatüllchen verpackt, das Kauferlebnis ist distinguiert. Man bekommt den Eindruck, soeben etwas wirklich wertvolles erworben zu haben und fühlt sich als Conaisseur erster Güte.
Das Törtchen mit seinem Feingoldblättchen als Dekor macht sich gut neben der Tastatur und der Tasse Kaffee auf der schwarzen Schreibtischplatte von USM Haller und das Schatüllchen passt geradezu ideal zum Boutiquentäschen von Dolce Gabbana. Man sollte es so lassen. Dieser Eindruck bestätigt sich bei der Degustation: der glänzende und unübliche Lack auf dem Törtchen stellt sich als zähe, geschmacklose Gallerte mit Einschluss von Luftbläschen heraus. Die Glasur ist dermassen dick aufgetragen, dass sie es verunmöglicht, die zweifelsfrei perfekte Konsistenz der Schokoladenfüllung zu geniessen. Alles wird zäh und die Feinheiten der Grand Cru Schokolade verschmieren in dieser gel-artig glänzenden, klebrigen Zumutung. Die feinen Aromastoffe werden regelrecht umschlossen und eingesperrt, die eigentlich butterzart-zartschmelzende Konzistenz der Schokolade bleibt wie ein Margarine-Klumpen im Mund kleben. Das Bödelchen ist zu wenig mürbe und zu feucht und kann auch keine Abhilfe schaffen.
Der Winterthurer Chocolatier kauft seine Kakao-Rohstoffe bei 13 verschiedenen Produzenten und erstellt daraus eigene Schokolade-Mischungen, die seines Gleichen suchen. All die ausgestellten Kreationen, die er daraus fertigt, sind eine wahre Freunde. Weshalb er jedoch ausgerechnet sein Schokoladentörtchen dermassen verhunzt, nur damit es bisschen länger hält und glänzt, beschäftigt mich noch lange.
Vollenweider Chocolatier Confiseur, Theaterstrasse 1, 8001 Zürich, www.vollenweiderchocolatier.ch
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